Thailand, das unterschätzte Teeland
Thailand gilt für viele als Land der Strände, Tempel und Streetfood - doch in den Hochlagen des Nordens wächst eine Tee-Kultur heran, die noch immer ein Geheimtipp ist.
Zwischen Nebelschwaden, Bergdörfern und terrassenförmigen Teegärten entstehen dort Oolong-Tees, die mit ihrer sanften Süße und floralen Eleganz immer mehr Teeliebhaber in ihren Bann ziehen.
Die Teegärten Nordthailands: Wo Oolong zu Hause ist
In den Provinzen Chiang Rai, Chiang Mai und rund um Orte wie Doi Mae Salong und Doi Wawee liegen die wichtigsten Teeanbaugebiete Thailands.
Das Zusammenspiel aus Höhenlage von bis zu rund 1.600-1.800 Metern, kühlen Nächten und mineralreichen Böden schafft ideale Bedingungen für fein-aromatische Oolong-Tees.

Viele der heutigen Teegärten gehen auf Einwanderer aus China und Taiwan zurück, die ihr Wissen und ihre Teepflanzen - darunter berühmte Oolong-Kultivare - in die Berge Nordthailands brachten.
So vereint moderner thailändischer Oolong die Tradition chinesischer Teekunst mit dem besonderen Terroir Südostasiens.
Aus Taiwan nach Thailand: Die junge Geschichte des Oolong-Tees
Oolong-Tee in Thailand ist ein relativ junges Phänomen: Die heutigen Oolong-Gärten im Norden des Landes entstanden vor allem seit den 1980er‑Jahren, basierend auf taiwanesischem Know-how und Kultivaren.
Anfänge in Nordthailand
- Die Wurzeln liegen in den Bergregionen des „Goldenen Dreiecks“, etwa um Doi Mae Salong und Doi Tung, wo seit den 1960er‑/70er‑Jahren chinesische Einwanderer Tee anbauen
- Diese Gruppen brachten sowohl Teepflanzen der Art Camellia sinensis als auch Wissen zur Verarbeitung von Oolong aus Yunnan und Taiwan mit

Royal Development Project und Opium-Alternativen
- In den 1980er‑Jahren identifizierte das thailändische „Royal Development Project“ Tee – insbesondere Oolong – als Alternative zum Opiumanbau ethnischer Minderheiten in Nordthailand
- Die Regierung holte Expertinnen und Experten des Tea Research Institute of Taiwan ins Land, um geeignete Oolong-Kultivare für Klima und Böden Nordthailands auszuwählen
Taiwanische Kultivare und Stil
- Nach und nach wurden verschiedene taiwanesische Oolong-Kultivare eingeführt
- Verarbeitet wird nach typisch taiwanesischer Oolong-Tradition (teiloxidiert, gewelkt, gerollt), die sich im nordthailändischen Hochland zu einem eigenen Geschmacksprofil weiterentwickelt hat
Heutige Bedeutung
- Zentren wie Doi Mae Salong gelten heute als „neues Mekka“ für thailändischen Oolong und leben wirtschaftlich zu großen Teilen vom Tee
- Thailändische Oolongs werden international gehandelt und oft explizit mit den Kultivar-Nummern 12 und 17 vermarktet, was die enge Verbindung zur taiwanesischen Züchtungsgeschichte widerspiegelt.
Teeplantage in Doi Mae Salong
Was macht thailändischen Oolong so besonders?
Oolong-Tee liegt zwischen Grün- und Schwarztee: nur teilweise oxidiert, entwickelt er eine große aromatische Bandbreite.
Aus Nordthailand kommen Oolongs, die mit Noten von Honig, Blüten, reifen Früchten und einer zarten Röstung spielen – oft mit einer feinen Süße im Nachhall.
Typische Merkmale thailändischer Oolongs sind:
- Sanft-blumige bis fruchtige Aromen, die etwa an Orchidee, Jasmin, Mango oder Steinfrüchte erinnern können
- Weiche, runde Textur mit kaum Bitterkeit, wodurch sie auch für Einsteiger sehr zugänglich sind
- Mehrere Aufgüsse pro Portion, bei denen sich das Aroma von Aufguss zu Aufguss weiterentwickelt
Einige Spezialitäten erinnern mit kräftigerer Röstung und stärkerer Oxidation bereits an elegante Schwarztees, behalten aber die typische Tiefe und Vielschichtigkeit eines Oolong.
Von Handarbeit und Nachhaltigkeit: Wie Oolong in Thailand entsteht
Die Ernte in Nordthailand erfolgt überwiegend per Hand, häufig nach dem klassischen „two leaves and a bud“-Prinzip – zwei Blätter und eine Knospe.
Nach dem Pflücken werden die Blätter gewelkt, leicht angetrocknet, sanft geschüttelt und kontrolliert oxidiert, bevor sie erhitzt und meist zu kleinen Kügelchen gerollt werden.

Viele Teefarmen setzen heute zunehmend auf nachhaltige Methoden:
- Schonender Umgang mit Böden und Wasserressourcen in den Bergregionen
- Teilweise Umstellung auf ökologischen oder naturnahen Anbau ohne synthetische Pestizide
- Direkte Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften, um faire Einkommen und langfristige Perspektiven für die Regionen zu schaffen
Für Teeliebhaber bedeutet dies Tee, der nicht nur geschmacklich, sondern auch ethisch und ökologisch überzeugt.
Zubereitungstipps: So kommt thailändischer Oolong richtig zur Geltung
Damit Oolong aus Thailand sein volles Potenzial entfalten kann, lohnt sich ein wenig Sorgfalt bei der Zubereitung.
Empfohlene Grundwerte (je nach Sorte leicht variieren):
- Wassertemperatur: etwa 80–90 °C, nicht sprudelnd kochend
- Dosierung: ca. 4–5 TL auf 1 Liter oder 5–7 g auf eine kleine Kanne (Gaiwan/Teekännchen)
- Ziehzeit: 2–3 Minuten für den ersten Aufguss, Folgeaufgüsse etwas kürzer oder gleich lang
Wer experimentieren möchte, kann mehrere kurze Aufgüsse mit weniger Wasser ausprobieren – so zeigt der Tee seine Nuancen besonders eindrucksvoll.
Im Sommer harmoniert thailändischer Oolong hervorragend als Cold Brew oder als Basis für einen fein-aromatischen, ungesüßten „Thai-Style-Eistee“ ohne Kondensmilch.

Tee-Reise im Kopf: Thailand in der Tasse erleben
Jede Tasse Oolong aus Thailand erzählt eine vielschichtige Geschichte: von chinesischen Einwanderern in den Bergen, von nebelverhangenen Terrassenfeldern und vom langsamen Wandel hin zu nachhaltigem Qualitätsanbau.
Wer sich eine solche Tasse einschenkt, holt sich ein Stück Nordthailand nach Hause – samt Fernweh, Bergluft und einer Prise exotischer Gelassenheit.
Am Ende bleibt die Einladung, neugierig zu bleiben: unterschiedliche thailändische Oolong-Sorten zu probieren, Zubereitungsarten zu variieren und den eigenen Lieblingsmoment mit Tee aus Thailand zu finden.
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